#zuvielgefühl Zukunftslähmung und Entscheidungen

#zuvielgefühl Zukunftslähmung und Entscheidungen

Ich bin müde. Ich sitze hier, zuhause auf meiner Couch und bin erschöpft. Wovon weiß ich nicht. Es ist nicht so, als wäre ich so schwer beschäftigt. Als wäre ich überarbeitet. Ich bin eher überdacht. Von überdenken, totdenken.
Mein eigenes Älterwerden hat mich in den letzten Wochen eingeholt. Klingt viel zu dramatisch, aus dem Mund einer 25 jährigen, aber ich fühle mich eben so. Irgendwie in die Ecke gedrängt, eingeengt von meine eigenen Erwartungen. An mich. An das Leben.

Zurückgezogen, lautlos durchstreife ich die Gänge. Die Augen gespannt auf das, was vor ihnen liegt. Gedankenblitze zucken über mir, Ideen purzeln vorbei. Manche kriege ich zu fassen, die meisten verschwinden hinter der nächsten Ecke, bleiben eine Spinnerei, ein Wunsch. Die, die an den Enden meiner langen Finger kleben bleiben, packe ich fest, ziehe sie an meine Brust, damit sie mir nicht entgleiten können. Die Grübelei beginnt, das Probieren, Schmecken, Testen.
Doch die Auswahl ist so groß. Erschlagen taumele ich zurück, überfordert, ängstlich. Plötzlich sehe ich an allen das dicke Aber hängen, was sie hinter sich herziehen. Unsicherheit zwingt mich in die Knie, lässt mich klein werden und unschlüssig zurück. Der Gang, dem ich doch gerade noch so entschlossen gefolgt bin, ist fort, aufgelöst in tausend Möglichkeiten, deren Weggabelungen auf meine Entscheidung warten.
Wo hin?

Die große Frage der Zukunft kreist um meinen Kopf und macht mich verrückt, wie eine Fliege. Ich erwische sie einfach nicht und als Resultat bin ich kurz davor zermürbt zu resignieren. Auf meiner Liste warten Entscheidungen darauf getroffen zu werden. Wichtige Entscheidungen. Und mit ihnen sitzt mir die Angst im Nacken. Ich habe Angst davor Fehler zu machen, falsch zu entscheiden und irgendwann zu merken, dass ich an früherer Stelle einen anderen Weg hätte einschlagen sollen. Gleichzeitig fürchte ich mich davor zurückzufallen, wenn ich keine Entscheidungen treffe.

Im ganzen Dahingeschwimme in meinen Ängsten verschwende ich irgendwie meine Zeit. Und dabei verschwende ich sie nichtmal gut. Statt ausgelassen durch Nächte zu tanzen oder die Zeit mit großartigen Bewusstseinsveränderungen und bunten Ablenkungen zu verbringen, bin ich bewegungsunfähig, lahm geworden. Ich lähme mich selbst mit meinem Entscheidungsdruck. Dabei weiß ich, wo das eigentliche Problem schlummert. Wo es liegt und unsichtbar auf meinen täglichen Gefühlshaushalt drückt. 

Ich habe kein Vertrauen in meine Intuition, lasse sie in meinem Gedankenwirrwarr gar nicht zu Wort kommen, schalte sie auf stumm, weil ich mir selbst nichts zutraue. Wieder ist da Angst. Ich will mit meinen Träumen nicht auf die Nase fallen, lieber immer weiter träumen und mich nicht der Realität stellen müssen. Dieser erwachsenen Realität.
Als Kind war alles noch so einfach. Unwissenheit machte die eigene Welt simpel und Wünsche so greifbar, wollte ich damals noch einfach nur Geschichten schreiben, ohne dabei an Miete, Essen oder Krankenversicherung zu denken.

Im Erwachsenwerden wird man plötzlich mit der Realität konfrontiert. Sie hat mich in machen Momenten kalt erwischt, wenn sie wie eine Welle plötzlich über mich rollte, erbarmungslos und brachial. Ich weiß jetzt, dass es nicht reicht, einfach nur Geschichten zu schreiben. Dass vom Träumen keine Wohnung bezahlt werden kann und meistens reicht diese Erkenntnis aus, um meinen Willen zu lähmen. Ein Teufelskreis irgendwie, der mich Entscheidungen auch nicht näher bringt, nur ferner, Langstreckenflug-fern. 

All der Negativität, die mich in den letzten Woche eingehüllt hat, zum Trotz bin ich wach geworden. Das einholende Alter, was mit fortschreitenden Jahren immer schneller zu werden scheint, hat mir klar gemacht, dass ich nicht mehr warten sollte, nicht mehr warten will. Ich glaube, mein Entscheidungsprozess hat angefangen, vielleicht bin ich deswegen so müde, weil all das Weggeschobene jetzt plötzlich präsent ist und beachtet werden will.
Zeit bleibt leider nicht stehen, erst recht nicht, wenn ich durch aufgeschobene Entscheidungen nur auf halber Flamme fahre.
Es wird dringlicher. Und dadurch nicht unbedingt einfacher.

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