Weniger Stress: eine Anleitung

Weniger Stress: eine Anleitung

Es ist ja eigentlich nichts Neues. Vom Druck schreibe ich doch sowieso immer. Gesellschaftlicher Druck, Erwartungsdruck, der selbstgemachte Druck. Man merkt, ich bin kein Mensch für die Leistungsgesellschaft. Unter all dem Getöse, dass aus dem eigenen Leben etwas besonderes geboren werden muss, ich irgendetwas Großes tun muss, besser sein, als andere in meinem Interessengebiet, ich mich behaupten muss, gehe ich langsam unter. Dabei stehe ich doch gerade erst am Anfang, in den Blütejahren meiner Karriere, meines Schaffens. Und ich zerbreche jetzt schon, Stück für Stück am Stress, den das Leben für mich bereit hält. 

Manchmal, in letzter Zeit auch immer öfter, muss ich mich selbst daran erinnern, dass das alles doch eigentlich gar keine Rolle spielt. Es hat absolut keine Relevanz für mein Glück, ob ich in irgendetwas die Beste bin, ob ich das größte Ding in meinem Freundeskreis reiße oder so produktiv arbeite, wie es XY doch vermeintlich tut. Vielmehr sollte, muss ich mich wieder daran erinnern, dass das Leben schön sein sollte, schön ist und so viele Dinge bereit hält, die wirklich zu meinem Glück beitragen, nicht wie der ganze Humbug, den ich mir in trüben Phasen immer so schwer auf meine Seele rede.

Hier also eine Erinnerung für mich, was ich alles viel öfter, mit viel mehr Nachdruck tun sollte, statt verbissen darüber nachzudenken, was ich gerade alles nicht gemacht habe und warum mich das nun unglücklich stimmt. Eine kleine Anleitung für den Fall, dass ich es zwischendurch mal wieder vergessen sollte, was das Leben schön macht, auch und besonders in den Zeiten, in denen das Leben, der Alltag und Erwartungen wieder zu sehr auf das Gemüt drücken. 
Meine zehn ganz persönlichen Fragmente des Glücks, die es doch immer wieder schaffen, den Stress des Alltags abzuschütteln und mich zu befreien.

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1. RAUS GEHEN

& abhauen, einfach mal weg, etwas anderes sehen. In irgendeinen Zug setzen, in irgendeine Richtung fahren und irgendwo wieder aussteigen und durchatmen. Spazieren gehen, Sonne aufsaugen, über nichts nachdenken, außer, wo man hier etwas zu Essen herbekommt. Dinge erleben – wieder oder neu spielt keine Rolle, nur, dass man nicht mehr in den eigenen vier Wänden sitzt und sich den Kopf zerbricht. Hilft nicht nur dabei, neue Energie zu sammeln, sondern auch die Gedanken wieder für neue Ideen bereit zu halten. 

2. NATUR

Immer, wenn ich es schaffe aus der Stadt zu fliehen, merke ich, wie gut es tut nicht mehr die stickige, graue Luft zu atmen und anderes zu sehen, statt den farblosen Beton. Grün und Luft und Wasser und Weitläufigkeit sind wahre Wunderhelfer und Menschenmassen kann man dabei auch noch entfliehen.

3. FLUCHT DURCH LESEN

Wenn man mal nicht weg kann, weil das Konto leergeräumt ist oder doch verbindliche Verpflichtungen im Leben anstehen, dann eben durch die Seiten eines Buches abhauen, sich darin verkriechen und verstecken und flüchten vor den eigenen fiesen Emotionen, stattdessen so viel neues, fremdes fühlen und erleben, dass man sich danach so wundervoll vollgestopft und gleichzeitig so erleichternd leer fühlt.

4. MUSIK

Und dabei spielt es keine Rolle, ob man sie nur hört oder macht. Ob man sich von schwarzen Vinylplatten laut beschallen lässt, oder selbst die Last aus den Fingern über die Tasten fließen lässt. Ob man nun mitsingt oder nicht, schief oder gerade, Hauptsache Töne, die auffangen. Nichts auf dieser Welt löst so schnell so viel Gefühl aus, lässt so schnell in andere Stimmungen abtauchen und flüchten oder fängt so sanft die eigenen Gefühle auf, um dich leise oder laut darin baden zu lassen. 

5. KOCHEN & BACKEN

Irgendwie meditativ und befriedigend, weil am Ende ein Ergebnis auf dem Tisch steht, was man im Idealfall dann auch schmecken und genießen kann. Und weil essen eins der schönsten Hobbys überhaupt ist.

6. YOGA

Für mich ein Rätsel, immer noch, weil ich mich so schwer auf so vage Dinge einlassen kann und ich trotzdem spüre, dass es etwas mit mir macht. Dass ich danach immer entspannter, immer glücklicher und zufriedener, ausgeglichener bin. Vielleicht, weil man sich so bewusst Zeit nehmen muss und die Gedanken keinen Platz mehr für anderes haben, weil sie so sehr damit beschäftigt sind, Atmung und Bewegung miteinander zu koordinieren. Vielleicht, weil man den Stress so schön ausschwitzen kann und die Dusche danach den Stimmungsdreck vom Körper wäscht. Vielleicht, weil man so sehr bei sich selbst ist und den eigenen Körper spürt.

7. TANZEN GEHEN

Hat auch was mit Stress ausschwitzen zu tun und mit Musik und der Verbindung der Gedanken zur Bewegung des Körpers. Ist auch wie das abtauchen in eine andere Welt, wenn die Füße zum Rhythmus den Boden massieren und Arme und Hände die Klangwelt nachfahren, der ganze Körper sich in den Track einfügt und anschmiegt und der Kopf dabei vergisst, wie es außerhalb dieser Melodiewelt ist.

8. FREUNDE SEHEN

Auch wenn mein verdrießliches, deprimiertes Ich sich oft davor scheut, Menschen aufzusuchen, reinzulassen, lohnt es sich doch immer, wenn man sich öffnet, den Auserwählten anvertraut und Rat und Trost holt, den sie doch immer im Vorrat für mich haben. Wenn belanglose Gespräche plötzlich doch von Belangen werden, weil sie herausholen aus dem Grübeln und ablenken von der selbstgeschaffenen Misere. 

9. ALLES VON DER SEELE SCHREIBEN

Damit die traurigen, wütenden, selbstzweifelnden, zerfressenden Gefühle raus aus dem Kopf kommen, rauf aufs Papier, wo sie schon gar nicht mehr so schlimm und lähmend erscheinen, wie in Gedanken. 

10. WENIGER SOCIAL MEDIA

Hilft sowieso nie, bei gar nichts, außer sich noch schlechter fühlen, weil alle vermeintlich schöner, erfolgreicher und produktiver sind und es am Ende nur darum geht, sich und sein Leben vor anderen besser darzustellen, als es doch eigentlich ist. Bringt nur Neid und Zweifel und ist wohl leider der Punkt, an dem ich noch am stärksten arbeiten sollte.

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