Gelesen&gehört #2

Gelesen&gehört #2

2019 recap – Bücher, Filme und Musik

Mein vergangenes Jahr war abwechslungsreich. Ich mochte es die meiste Zeit nicht leiden, habe das Ende des Dezembers eher sehnsüchtig erwartet. Nachdem 2018 ein sehr sonniges Jahr gewesen ist, ließ mich 2019 nur auf einer Achterbahn vorbeiziehen. Meine Konstante gab es jedoch. Eine, die mir Zeit versüßt hat, Gedanken genommen und Gedanken gegeben hat. Eine die gleichzeitig Input und Flucht war. Vor allem aber eine, die mich das ganze Jahr über kein einziges Mal enttäuscht hat. Die Bücher, die ich in 2019 gelesen habe, waren alle großartig, haben mir alle etwas gegeben und vielleicht können sie dem ein oder anderen auch etwas geben. 

Abseits dessen habe ich, musste ich ernüchternd feststellen, wenige Dinge konsumiert, die mich wirklich begeistert haben. Oft waren Filme, Serien oder Musik nur Mittel zum Zweck – leichte Ablenkung, die mich aus dem Alltag tragen sollte und mich bitte nicht allzu sehr beschäftigen sollte. Trotzdem, auch da haben sich ein paar wenige Lieblinge eingeschlichen, die Eindruck hinterlassen haben. 
Letztes Jahr gabs diese Art von Jahresrückblick schon und vielleicht mache ich es zu einer Tradition, weil es eine schöne Art ist, sich an das Jahr zu erinnern und noch einmal all die wunderbaren Künstler zu würdigen, die mich begeistert haben. Viel Spaß also mit meiner Auswahl der besten Bücher, Filme, Serien und Musik des vergangenen Jahres. Vielleicht findet das ein oder andere Buch ja auch den Weg in euer Regal und begeistert euch genauso sehr, wie mich (oder hat es schon). 

Mittagsstunde – Dörte Hansen

Ingwer Feddersen kehrt nach mehr als 25 Jahren zurück in sein norfriesisches Heimatdorf. Er flüchtet aus Kiel, zurück zu seinen Großeltern, zurück in die Einöde, die heute noch noch trister und trauriger scheint und beginnt sein Leben zu reflektieren.
Dörte Hansen erzählt hier von einem Neuanfang, dem Suchen und dem Verschwinden. Sie erzählt die Geschichte eines Jungen, der sich plötzlich in einem Erwachsenenleben wiederfindet, was nicht so recht passen will und die Geschichte eines Dorfes, welches mit der Zeit geht, vergeht. Sie erzählt von Flurbereinigung und Bauern. Von einer Gastwirtschaft, einer Familie und von Schicksalen, wie sie die Zeit eben schreibt. 

Ich habe dieses Buch verschlungen und geliebt. Sie schreibt so gefühlvoll, ohne dabei pathetisch oder überladen zu sein, schafft es das Geschehen mit ihren Worten so perfekt einzufangen. Ihre Beschreibungen sind punktgenau, treffen immer ins Schwarze und kein einziges Mal hat man das Gefühl, eine Umschreibung schon einmal gelesen zu haben. 
Die Geschichte ist nicht sonderlich spannend, aber das braucht sie auch gar nicht. Die Autorin ist eine Wortakrobatin, die ihre Charaktere genau kennt und dem Leser das Gefühl gibt, alle Beteiligten schon ewig zu kennen und zu verstehen. 
Unbedingt lesen, weil mich Mittagsstunde in all seiner Einfachheit umgehauen hat und Dörte Hansen mich umgehauen hat, schon mit ihrem ersten Roman Altes Land und jetzt wieder, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. 

Was vom Tage übrig blieb – Kazuo Ishiguro

England. Ein Butler, Stevens, der mehr Butler nicht sein könnte. Sein gesamtes Leben stellt er in den Dienst seines Herren, ist dabei Verschwiegenheit und Ordnung in Person. Das Buch erzählt seine Geschichte, beginnend mit einem Urlaub, den er antritt, um eine alte Arbeitskollegin aufzusuchen. Stevens findet auf dieser Reise irgendwie zu sich, findet heraus, was er fühlt und hinterfragt erstmalig sich und sein Leben. 

Ishiguro hat es geschafft die englischen Gedanken des Butlers einzufangen, bringt dabei zum schmunzeln und nachdenken. Er schafft eine Welt, in der man irgendwie gerne ist und irgendwie auch nicht, weil man den Drang zu schreien nicht los wird. Man will Stevens anschreien, wachrütteln und kann doch nur zuschauen, wie er durch die Situationen stolpert, immer weiter auf ein Ende zu, vor dem es dem Leser graut. 
Das Buch hat mich zum schmunzeln gebracht, weil sich die englische Art hier wie zum anfassen anfühlt. Und es hat mich berührt, hat mich gelehrt, denn was am Ende übrig bleibt, ist die Erkenntnis, nicht zu warten, nichts zu schlucken, um nie der Frage gegenüberzustehen, was gewesen wäre, wenn.

Töchter einer neuen Zeit – Carmen Korn

Vier Frauen, eine Geschichte, die hier erzählt wird. Käthe und Henny, die Krankenschwestern sind. Lina, die Lehrerin. Ida, die wohlhabende Tochter. Vier Schicksale die eingewoben werden in hundert Jahre deutsche Geschichte. Alles beginnt im Frühling 1919, nach dem Weltkrieg und nimmt ihren Lauf durch schreckliche und hoffnungsvolle Zeiten. Die Geschichte zeigt die Banalitäten des Alltags, während schlimmer Zeiten und wie sich Gesellschaft und Politik in einem turbulenten Jahrhundert entwickelt. Töchter einer neuen Zeit ist dabei nur der erste von drei Teilen. Ich habe zwei bereits gelesen und geliebt. Man kann eintauchen in die Leben anderer, in vergangene Zeiten, die so lebhaft beschrieben sind. Man kann nachfühlen, nachspüren, was einem die Geschichte erzählt, dabei wird es nie langweilig, weil sie zwischen Kapiteln und Personen hin und her springt. Carmen Korn schafft es, die Begeisterung zu spüren, die Angst und die Hoffnung.

Ich verliere mich so gern in der Vergangenheit, lasse mich zurückbringen in verwirrte Zeiten, zurück zu Umwälzungen und Neuanfängen, zu Auflehnen und Kämpfen. Diese Geschichte zeigt, wie Schicksale mit der Geschichte verschmelzen. Wie das Leben war, wie gedacht, gefühlt und gewünscht wurde, deshalb lesenlesenlesenlesenlesen!

Olga – Bernhard Schlink 

Wieder deutsche Geschichte. Wieder ein Einzelschicksal, oder zwei vielleicht. Das Buch erzählt von Olga, die die Deutschen nicht versteht, nie und von Herbert, der sich für Deutschland verliert. Das Buch erzählt von ihrer Liebesgeschichte auf eine bittersüße Art. 
Schlink malt auf so kurzen Seiten die Schrecken der deutschen Geschichte, angefangen in der Kolonialzeit und lässt sie durch den klugen Kopf einer Frau fließen, die zu allem die richtigen Gedanken findet. 

Das Buch hat keinen klassischen Spannungsverlauf, keinen Höhepunkt, keinen Wendepunkt. Es fließt dahin, wie die Zeit eben, unaufhaltsam mit seiner Geschichte. Trotzdem oder gerade deshalb schafft es Schlink einzufangen. Man hält inne, irgendwie. Und am Ende bleibt sogar noch eine Überraschung, eine, die zum schmunzeln bringt.
Der Charakter Olga, ist robust und schön und klug und ich habe es genossen ihr zuzuschauen, wie sie durch das Leben geht, auch, wenn es viele traurige Momente gibt. Lesen, weil Geschichte und ganz viel Liebe, anders erzählt und weil eine kluge Frau die Protagonistin ist.

Call me by your name

Der Film erzählt von der kurzen Sommeraffäre des 17-jährigen Elios mit dem 24-jährigen Amerikaner Oliver. Es ist Sommer, Süditalien und der Film sprudelt nur so von Pubertätshormonen, die sich in sommerlicher Idylle entfalten können. Ich mochte den Vibe, weils irgendwie so realistisch war, die Dialoge, die Handlung, die Blicke und gleichzeitig doch ein wenig absurd. Der Film ist so schön gefühlvoll und schämt sich nichts, obwohl er Dinge behandelt, für die man sich in den 80ern noch schämen sollte, und wenn man sich auf die Atmosphäre einlässt, ist es einfach nur großartig zuzusehen.

The End of the fucking world

Britischer Humor. Sehr viel davon. Zwei Teenager, einer ein vermeintlicher Psychopath, die andere ein rebellierendes Mädchen durch und durch, laufen zusammen weg. Ein Mord, eine Liebesgeschichte, ganz viel Gefühl und Witz und auch ganz viel Furchtbares, was urkomisch verpackt wird. Alles ist ein bisschen grau und trist und es wird kein Blatt vor den Mund genommen, weder von den Machern, noch von den Charakteren. Ich musste viel lachen und konnte viel mitfiebern. Den einzigen Minuspunkt gibt es dafür, dass es pro Staffel nur 10(?) Folgen gibt a 20 Minuten. Binge-Watching schafft das ganze dann an einem Tag und der Zauber ist schon wieder vorbei. 

The Doors (Oliver Stone)

 Auf diesen Film muss man sich einlassen, aber wenn man das tut, dann wird man in eine Atmosphäre katapultiert, die alles so sehr fühlbar macht. Man befindet sich plötzlich im Leben des Jim Morrison und muss zuschauen. Seinem Genie, seinem Verfall. Es wird einem jede Empfindung der Protagonisten aufgezwungen, was intensiv ist, aber auch gut. In zweieinhalb Stunden bekommt man ein so realistisches Bild der Band, ihrer Musik und ihrer Konzerte gezeigt, aber auch, in welchen Abgründen Jim Morrison sich befunden hat. Man fiebert mit, bis zum Schluss, obwohl das Ende ja bekannt ist und was bleibt ist eine komische Mischung von Glück und Traurigkeit.

Lana del Rey – Doin Time

Eigentlich mochte ich diesen Song nicht, als er rauskam. Er ist Lana-untypisch. Und trotzdem hat er mich eingefangen, sodass er mittlerweile mein Favorit auf dem Album ist. Für mich Cali-Sommer-Vibe schlechthin und die absolute Nr. 1, wenn ich mal wieder das Gefühl von Sonne brauche. 

Balthazar – Fever

Mein Album des Jahres, weil sie einen Sound haben, der irgendwie anders. Die Songs sind so fantastisch durchkomponiert, innovativ, gut performt und das ganze Album vom ersten bis zum letzten Track einfach toll konzeptioniert und aufeinander abgestimmt. 

The Doors – Light my Fire 

Dieser Song wird im Film rauf und runter gespielt und ich habe ihn daraufhin rauf und runter gespielt, vor allem im Sommer und für mich transportiert er zu 100% das, wie ich mir diese Zeit vorstelle.

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