Finden und Suchen

Finden und Suchen

Das Gefühl irgendwie verloren zu sein, sich auf dem eigenen Weg irgendwie verloren zu haben, knabbert von innen, flüstert stichelnd in jede Entscheidungsfindung hinein, beäugt misstrauisch und argwöhnisch jede Überlegung und hinterlässt dich in ahnungslosem Stillstand. Die Frage nach dem Wohin kommt zum Erliegen, obwohl die Antwort darauf wohl den einzigen Ausweg aus diesem lähmenden Gefühl bietet. In all der Ratlosigkeit bleibt die Suche nach dem Grund, das Ergründen danach, warum das Finden des eigenen Platzes in der Welt so schwierig erscheint. 

Das eigene Leben verläuft in Abschnitten. Wir schlittern geschmeidig von Abschnitt zu Abschnitt, lassen die Kindheit unbeschwert hinter uns, flüchten regelrecht aus Pubertät und Schulzeit um doch bitte endlich in diesem einen finalen Abschnitt anzukommen. Dem Abschnitt, der uns von klein an vorgelebt wird, uns begleitet und uns so lange als das Ziel der Reise, als das Ankommen im Leben vorkommt. Und mit einem Fingerschnipp, der einen das erste Viertelleben gekostet hat, ist man im Erwachsensein, steht plötzlich Mitten im Lebenund fühlt sich doch alles andere als angekommen. 

Es stellen sich plötzlich Fragen, die nach Antworten und Entscheidungen verlangen. Entscheidungen, die ein flaues Gefühl im Magen hinterlassen. Entscheidungen, die Tage, vielleicht Wochen deinen Kopf füllen, Unschlüssigkeit und innere Zerrissenheit hervorrufen und so lebensformend erscheinen, dass sie mit einer unnachgiebigen Schwere auf Schultern und Rücken lasten.  Wer was wie wo will entschlüsselt, entwirrt werden, das eigene Innere verlangt nach Sinnsuche, danach in der eigenen Existenz zu sich selbst zu finden. 

Unsere Erziehung ist geprägt von Strukturen, gefüllt von Erwartungen, die nicht wir an uns selbst stellen, sondern von höheren Instanzen – Elternschaft, Lehrerschaft, Gesellschaft – vorgelebt und eingebläut bekommen, sodass sie uns am Punkt der Entscheidung vorkommen wie der einzig richtige Weg, die logischste Schlussfolgerung und der für uns geeignetste Fortgang in unseren persönlichen Abschnitten. Plötzlich sieht man sich dabei zu, wie man Dinge tut, die man eben so zu tun hat.

Festgefahrene Vorstellungen und veraltete Werte für das Leben und die Lebensführung nagen an uns, schwirren uns wie ein lästiger Fliegenschwarm durch die Gedanken und vernebeln das Wissen um die eigenen Wünsche.

Die Kunst des Ausbrechens wird nicht gelehrt, scheint beinahe gar nicht gewollt zu sein und den eigenen Platz, Erfüllung und Glück hinter den Dingen zu finden, die einem im Leben beigebracht werden, zermürbt, lässt einen von der Angst vor Fehlentscheidungen und Meinungsänderungen erzittern. Fehler dürfen passieren, aber nur, wenn man direkt beim ersten Mal aus ihnen lernt und das Verändern der eigenen Lebensvorstellung wird schnell mit Wankelmütigkeit gleichgesetzt.

Wie kann es sein, dass Anerkennung eher denen zu Teil wird, die sich glücklos in festgefahrene Strukturen einfügen, als denen die unerschrocken und keine Rückschläge fürchtend noch auf der Suche nach dem passenden Konzept sind? In einer Welt in der Zufriedenheit und Sicherheit mit Glück verwechselt wird und Leidenschaft noch immer von denen belächelt wird, die mit gefüllten Taschen auf Suchende hinabschauen, scheint es fast eine Lebensaufgabe zu sein, mit gesellschaftlichen Erwartungen zu brechen und auf der Suche nach dem eigenen Weg irgendwo anzukommen. 

Den eigenen Weg finden, den passenden Platz im Gefüge von Vorstellungen und Möglichkeiten, ist ein zögerliches Annähern, ein Herantasten und Vorbeischlängeln, geprägt von sich rechtfertigen und hinterfragen. 
Das, was einem vom Kindesalter an gelehrt wurde, zu verändern, Konzepte aufzubrechen, neu zu erfinden, ist eine Herausforderung, die auf dem Weg des Vorankommens erst einmal überwunden werden muss.  

Doch Rückschläge sind Wegweiser, bringen doch Stück für Stück voran, auch wenn es manchmal scheinen mag, als würde das Leben dauerhaft im Rückwärtsgang verlaufen.
So muss das lähmende Gefühl, die hemmenden Konventionen und veralteten Ansprüche vertrieben werden, indem man sich endlich der Frage der eigenen Vorstellungen und Ziele stellt, sich nicht mehr beeinflussen lässt, sich befreit. Schließlich steht man am Ende nur seinem eigenen Selbst gegenüber, ist nur sich selbst Antwort und Rechenschaft schuldig und findet schlussendlich nur so zu innerer Akzeptanz und Glück. 

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